Reden tut gut
Besser Leben
Mit den Sorgen nicht allein bleiben
Warum Reden jetzt so gut tut
15. August 2026
Es gibt Tage, da möchte man morgens eigentlich nur in Ruhe seinen Kaffee trinken. Doch dann schlägt man die Zeitung auf, hört ein bisschen Radio und schon ist es vorbei mit der Ruhe.
Krieg, Krisen, Katastrophen, politische Aufregung, steigende Preise, Klimasorgen, schlechte Nachrichten aus nah und fern. Und wenn man Pech hat, liefert das Smartphone gleich noch ein paar Nachrichten hinterher.
Manchmal könnte man meinen: Die Welt hat sich vorgenommen, uns rund um die Uhr auf dem Laufenden zu halten, doch leider bevorzugt sie dabei die schlechten Neuigkeiten.
Und natürlich können wir nicht einfach so tun, als gäbe es all das nicht. Aber wir können etwas anderes tun: Wir müssen mit unseren Sorgen nicht allein bleiben.
Wenn Nachrichten Angst machen
Gerade Menschen, die viel Zeit allein verbringen, können die vielen negativen Nachrichten besonders intensiv erleben. Was für den einen ein kurzer Bericht in den Abendnachrichten ist, kann sich beim anderen noch lange im Kopf drehen.
Was wird aus unserer Welt? Wie sicher ist unsere Zukunft? Was kommt noch auf uns zu?
Und irgendwann wird aus einem Gedanken eine Sorge und aus der Sorge vielleicht sogar Angst. Dabei ist Angst zunächst einmal nichts Ungewöhnliches. Sie möchte uns aufmerksam machen und schützen. Schwierig wird es, wenn sie immer größer wird und wir niemanden haben, mit dem wir darüber sprechen können.
Denn Gedanken haben eine erstaunliche Eigenschaft: Allein im Kopf werden sie gerne größer. Ein kleines Problem kann sich dort über Nacht zum Weltuntergang entwickeln. Aber ein Gespräch am nächsten Morgen kann dagegen manchmal erstaunlich schnell wieder für etwas mehr Boden unter den Füßen sorgen.
Reden hilft – und zwar mehr, als man denkt
Wir Menschen sind nun einmal keine Einzelkämpfer. Wir brauchen andere Menschen. Zum Lachen, zum Erzählen, zum Zuhören und manchmal auch einfach dafür, gemeinsam festzustellen:
„Na, das sieht heute aber auch wieder ziemlich düster aus.“
Dann trinkt man zusammen einen Kaffee und stellt fest, dass die Welt zumindest am eigenen Küchentisch noch einigermaßen in Ordnung ist.
Kontakte knüpfen kann deshalb ein wichtiger Teil davon sein, besser mit belastenden Nachrichten und Ängsten umzugehen. Ein Gespräch muss dabei gar nicht tiefenpsychologisch werden. Man muss nicht alle Probleme dieser Welt analysieren. Oft reicht schon ein Mensch, der zuhört und vielleicht sagt:
„Das geht mir genauso.“
Allein dieser Satz kann unglaublich gut tun.
Plötzlich ist da jemand, der versteht, was man empfindet. Und aus dem Gefühl „Ich bin mit allem allein“ wird ein kleines „Wir sitzen wenigstens gemeinsam hier.“
Ein Telefonat kann mehr verändern als tausend Nachrichten
Vielleicht kennen Sie das: Das Telefon liegt auf dem Tisch, bereit für einen Anruf, aber man möchte niemanden stören. „Die haben bestimmt selbst genug zu tun“, denkt man. Also bleibt das Telefon still.
Dabei wartet am anderen Ende vielleicht jemand genau auf denselben Gedanken.
Darauf, dass endlich jemand anruft.
Darauf, ein bisschen zu erzählen.
Darauf, einmal herzlich zu lachen.
Darauf, nicht nur über das Wetter zu sprechen, sondern auch über das, was einen wirklich beschäftigt.
Kontakt muss übrigens nicht immer gleich Freundschaft oder Partnerschaft bedeuten. Auch eine nette Bekanntschaft, eine Gesprächspartnerin, ein Nachbar, ein ehemaliger Kollege oder eine Gruppe mit gemeinsamen Interessen kann ein wertvoller Anker im Alltag sein.
Manchmal beginnt eine neue Verbindung ganz unspektakulär: mit einem „Hast du auch gerade die Nachrichten gesehen?“ und endet damit, dass man zwei Stunden später immer noch miteinander plaudert. So darf es gerne sein.
Weniger Nachrichten, mehr echte Gespräche
Ganz sicher wäre es manchmal eine gute Idee, die tägliche Nachrichtenportion ein wenig zu verkleinern. Nicht aus Gleichgültigkeit. Sondern aus Selbstfürsorge.
Man muss nicht jede Eilmeldung sofort kennen. Die Welt wird sich auch weiterdrehen, wenn wir einmal das Smartphone weglegen.
Und während irgendwo neue Nachrichten auf unseren Bildschirm prasseln, könnten wir stattdessen jemanden anrufen.
Oder einen Spaziergang machen.
Oder in ein Café gehen.
Oder einen Menschen ansprechen, den wir schon länger sympathisch finden.
Denn echte Begegnungen haben etwas, das Nachrichten niemals ersetzen können: Sie geben uns ein Gegenüber. Ein Gesicht, eine Stimme, ein Lächeln, eine Reaktion. Und manchmal sogar eine Umarmung.
Kontakt knüpfen ist kein Luxus
Gerade im höheren Lebensalter verändert sich das soziale Umfeld häufig. Freunde ziehen weg, der Partner oder die Partnerin ist vielleicht nicht mehr da, berufliche Kontakte fallen weg und die Kinder haben ihr eigenes Leben. Plötzlich sind die Tage länger und die Gespräche weniger.
Das muss aber nicht so bleiben. Neue Kontakte zu knüpfen ist in jedem Alter möglich. Dafür muss man weder besonders extrovertiert noch ständig unterwegs sein.
Ein gemeinsames Hobby kann der Anfang sein. Es gibt so viele Möglichkeiten: eine Freizeitgruppe, ein Stammtisch, eine Reise, ein Spaziergang, ein Kurs, eine Veranstaltung. Oder eben ein Portal wie Silberhorizont, auf dem Menschen miteinander in Kontakt kommen können, die ebenfalls nicht nur nebeneinanderher leben möchten.
Vielleicht suchen Sie gar keine große Freundschaft, vielleicht möchten Sie einfach jemanden, mit dem Sie sonntags telefonieren können. Jemanden für einen Kaffee, einen Ausflug oder ein gutes Gespräch. Oder für den Satz: „Hast du das gerade auch gehört?“ Auch das ist Nähe.
Wir können die Welt nicht allein verändern – aber unseren Alltag schon
Die großen Probleme unserer Zeit können wir nicht am Küchentisch lösen. Das müssen wir auch gar nicht. Aber wir können entscheiden, wie viel Raum sie in unserem eigenen Leben bekommen.
Wir können Nachrichten ausschalten.
Wir können Sorgen aussprechen.
Wir können zuhören.
Wir können lachen.
Und wir können den Mut haben, wieder auf andere Menschen zuzugehen. Vielleicht ist genau das eine kleine Form von Widerstand gegen eine Welt, die uns manchmal das Gefühl gibt, alles werde immer schlimmer:
Wir bleiben miteinander verbunden.
Denn Sorgen werden nicht immer kleiner, wenn man darüber spricht. Aber sie werden oft leichter. Manchmal ist ein Mensch, der einfach nur sagt „Ich verstehe dich“, genau das kleine Stück Licht, das man an diesem Tag gebraucht hat.
Also: Wenn Ihnen heute die Nachrichten zu viel werden, legen Sie das Smartphone ruhig einmal zur Seite. Nehmen Sie stattdessen das Telefon und rufen Sie jemanden an.
Die Welt kann warten. Ein gutes Gespräch vielleicht nicht.