Es lebe die Freundschaft

Es lebe die Freundschaft
Erinnern Sie sich noch an den Freund, mit dem Sie nachts um halb zwei am Küchentisch die Welt gerettet haben? Eine Flasche Wein, zwei Meinungen, drei Theorien – und am nächsten Morgen ein leicht verschwommenes Glücksgefühl. Genau davon spricht der Berliner Psychotherapeut Dr. Wolfgang Krüger, wenn er über Freundschaft schreibt. Und er tut das seit über 40 Jahren mit einer Hartnäckigkeit, die man nur Menschen verzeiht, die recht haben.
Denn Krüger macht darauf aufmerksam, dass Freundschaften viel zu lange als die kleine Schwester der Liebe behandelt wurden. Dabei sind sie ein wichtiger Glücksfaktor und können unser Leben erheblich verlängern. Es geht also nicht nur um Gemütlichkeit, sondern – man verzeihe die Dramatik – um Lebenszeit.
Das Schöne daran: Freundschaft ist keine Frage des Talents, sondern der Pflege. Und da liegt bei den meisten von uns, ehrlich gesagt, einiges im Argen. Wir denken an Klaus. Wir freuen uns über den Gedanken an Klaus. Wir rufen Klaus aber nicht an. Stattdessen warten wir darauf, dass Klaus anruft – und Klaus, so viel sei verraten, macht es genauso.
Krüger empfiehlt deshalb den unspektakulärsten aller Schritte: den ersten. Ein Anruf ohne Anlass. Eine Einladung zum Kaffee, auch wenn die Wohnung nicht aufgeräumt ist. Ein altes Fotoalbum, gemeinsam durchgeblättert – erstaunlich, wie schnell man sich dabei wirklich kennenlernt.
Und noch etwas: Freundschaften dürfen sich verändern. Manche werden stiller, manche gehen, manche kommen mit 70 noch völlig überraschend dazu. Wer offen bleibt, wird belohnt.
Also, liebe Leserinnen und Leser: Greifen Sie zum Hörer. Klaus wartet.
📖 Buchtipp: „Freundschaft – beginnen, verbessern, gestalten”